Zur Geschichte des Geschlechtes Fürstein

(Feurstein und Feuerstein)

herausgegeben anlässlich der 800-Jahrfeier

1160- 1960

vom Familienverband Feuerstein in Bredenscheid über Hattingen/Ruhr

Verfasser: Helmut Gasteiner-Feuerstein, Salzburg

 

Ortega y Gasset hat einmal gesagt, die Geschichte müsse aufhören, eine Ausstellung von Mumien zu sein und sich in das verwandeln, was sie in Wahrheit ist, ein enthusiastischer Versuch der Auferstehung! Aber in der heutigen Zeit gibt es nur eine Minderheit, der Geschichte mehr bedeutet als bloß mechanischer Zeitablauf, lediglich bedingt durch die jeweils herrschenden wirtschaftlichen Verhältnisse. Was sagt es diesen Leuten, wenn sie zufällig einen Einblick bekommen, wer ihre Vorfahren waren, woher sie stammten und wie es in dieser früheren Heimat zuging? In einer Periode des größten wissenschaftlichen Fortschrittes könnte Familienforschung als Hobby betrachtet werden, als Freizeitgestaltung oder gar als bürgerliche Eitelkeit. Doch ist es gerade diese Wissenschaft, die ganz ungewollt etwas ans Tageslicht brachte, nicht nur die Vererbbarkeit äußerer Erscheinungsformen, sondern auch das Weitergeben seelischer Faktoren. Diese Tatsache eines erbbaren seelischen Stils bestimmt in einem ungeahnten Ausmaße unser Dasein, wo immer wir auch leben. Wir sind nicht mehr ziel und sinnlos in irgendeine Umwelt hineingeworfen, sondern tragen wissend oder nichtwissend - die Freuden und Sorgen, die Begabungen und Irrungen tausender Vorfahren in uns, so daß wir untrennbar mit diesem Gewesenen und Durchlebten  v e r b u n d e n sind. Diese Religion hat nichts mit dem nebelig-verschwommenen Mythos von Blut und Rasse zu tun, durch den der krasse Materialismus überhöht und verdeckt werden sollte.

H i e r ist die wirkliche ganze Schöpfung gemeint mit Blutsnatur, Geistnatur und Übernatur, die im Menschen zu einer untrennbaren Einheit verwoben sind. Allgemeingültige Wertnormen gelten für alle Menschen; was aber davon verwirklicht wird, wie es erfaßt wird und wie im besonderen Werte hervorgehoben werden, das hängt von dem seelischen ererbtern Stil ab, der eben von der Herkunft her gegeben ist. Urteile, Begeisterung oder instinktive Ablehnung sind somit durch ein langes Erbe in der Anlage vorherbestimmt; aber was der einzelne daraus dann macht, hängt von  seinemWillen ab.

Im Alltag neigt der einzelne leicht dazu, wohl alles zur Kenntnis zu nehmen, alles wissen zu wollen und überall dabei zu sein. Aber er legt sich nicht fest, er steht nicht gerade für eine Idee, und so ist für ihn alles unverbindlich. Der Intellektuelle, im großen Sinne des Wortes, hat es leichter, da er die Dinge der Welt zerlegt, um sie zu erforschen und ihren Sinn zu ergründen. Wie aber soll der Alltagsmensch zu geschichtlichen Vorgängen einen Zugang finden, der mehr ist als Neugierde oder Sensationsfreude? Ihm ist doch die Welt ein Feld der Nutzbarkeit, wo man sich eben gut einrichten muß. Ihn anzusprechen, in ihm eine Erlebnisschicht aufzudecken, die er fast nie erkennt, ihm Sinn und Widersinn großer Geschichtstragödien vorzuführen, um die Gegenwart besser zu begreifen, dies müßte der tiefere Sinn von Familiengeschichte sein. So wird sie dann nicht nur Information, sondern auch Erzieher, Berater und Lenker. In der Masse der Meinungen und der Moden werden die Väter zu Mahnern und Führern.

Das Fürsteingeschlecht war in der Reichsgeschichte durch zahllose Feurstein und Feuerstein so bedeutend vertreten, daß seine Geschichte gar nicht davon zu trennen ist. Gleichzeitig sind auch tragende Ideen und Mächte dieses Reiches zu prüfen, die abwechselnd zu dessen Glanz oder Elend beigetragen haben.

Wenn wir die Geschichte der Feurstein und Feuerstein, - ein und dasselbe Geschlecht in oft wechselnder Schreibweise, - durchwandern, erkennen wir vieles, was dem Wahrheitsanspruch der heutigen Forschung nicht mehr standhält. Sei es ,,das finstere Mittelalter", die Reformation als Heilsanliegen, ihre politischen Triebkräfte, die Gestalten Karls V. und Philipps II., der glorifizierte Friedrich II. von Preußen, die Haltung der Habsburger, die Polenpolitik, der deutsche brave Nationalismus, von all dem in der Schule Gelernten muß Abschied genommen werden; lieb" gewordene und verehrte Vorstellungen bedürfen einer grundsätzlichen Veränderung und völligen Neueinstellung.

Ein aus Österreich stammendes Geschlecht ist völlig anders im deutschen Kulturraume beheimatet als ein anderes, das meist nur die Haltung der jeweiligen Landesherren mitmachen mußte. Da erwächst eine Pflicht  z u r W a h r h e i t, auch wenn sie noch so unbeliebt und unbequem ist. Es gilt hier, Wesentliches heil durch die Zeiten zu tragen und nachzudenken, was zur jahrhundertelangen Tragödie des europäischen Mittelraumes geführt hatte.

Ob jener junge Draufgänger des Namens Feuerstein, der am Marsch zur Feldherrnhalle teilnahm, wohl geahnt hat, daß unser Geschlecht einen großen Mahner und Bekenner hatte, den Theologen Feuerstein, der mit sehenden Augen die Irrungen unserer Zeit sah und den Folterungen im Vernichtungslager erlegen ist?

Wie oft in der Geschichte steht der Name Feuerstein dort, wo es um die Freiheit geht. Die Häscher Jéromes von Westfalen jagen den Freiheitskämpfer Friedrich Feuerstein, den Freund der Lützower Jäger, durch ganz Deutschland, während in Vorarlberg ein Feuerstein Anführer gegen die einbrechenden Heere Napoleons wird. Kaum je sind die prophetischen Worte des Brixener Bischofs Simon Feuerstein vor dem Innsbrucker Hof so aktuell gewesen wie in unseren Tagen. Er sagte, daß ,,die Spaltbarkeit des deutschen Volkes durch die Reformation ein" mal dazu führen kann, daß auch die  t e r r i t o r i a 1 e Spaltbarkeit eintreten kann!" Geht die Einheit des Glaubens verloren, verliert sich die Geschlossenheit des Denkens, die Einheit der Politik als Auftrag im Dasein und am Ende die Einheit des Territoriums.

Die neuen Diktatoren sind: die Mode und das ,,man". So treten an Stelle von Stil und Sitte allmählich Geschmack und Manieren. Generationen waren schon einem völligen Irrwege verfallen, der sie reif zur Katastrophe machte.

,,Reißt die Kreuze aus der Erden,

alle sollen Schwerter werden,

Gott im Himmel wirds verzeihn!

Laßt, oh laßt das Verseschweißen,

auf den Amboß legt das Eisen,

Heiland soll das Eisen sein"

So sind Hunderte von Familienangehörigen und Nachfahren auf den Schlachtfeldern des fortschrittlichsten Jahrhunderts geblieben, aber die Zählebigkeit der Verhetzung, der Geschichtsfälschungen, an denen letztlich das Reich zerbrach, ist erschreckend. Hier liegen Verpflichtungen eines Geschlechtes, das ein Halbjahrtausend der Ordnung diente.

Dieser Freiheitswille der Feuerstein gründet darin, daß schon vor 1400 das kleine bäuerliche Selfgouvernement des hinteren Bregenzerwaldes, - der Heimat des Geschlechtes, - Freiheiten erkämpfte und bewahrte, die in  u n s e r e n  Tagen Hunderten von Millionen Menschen vorenthalten sind. Vor 500 Jahren waren Rechte und Pflichten aufgestellt, die jetzt als große Errungenschaften in Weltdeklarationen verkündet werden. Die damals geschaffene Sozialordnung könnte jetzt noch vollgültig zum Vorbilde, auch im Wahlrecht, dienen.

Die Bregenzerwäldler sind immer treu zum Reiche gestanden Dieses ,,ewige Reich", nicht mehr eingebunden in den Torso seiner historischen Fixierung in Zentraleuropa' ist und bleibt Verpflichtung und Auftrag. Es wird erst dann erlöschen, wenn das völkerumspannende Ethos des Evangeliums versiegen und dadurch Abbaddon, der Engel des Abgrunds freigesetzt werden sollte. Der transzendente Heilsauftrag dieses Reiches - die Verteidigung und Ausbreitung des christlichen Glaubens, - ist jetzt identisch mit der Verpflichtung aller Politiker, im Völkerbündnis die von Gott verliehene Würde des Menschen vor dämonischer Pervertierung zu retten.

,,Per me reges regnant" (durch Mich regieren die Könige) steht auf dem Oktogon der Krone aller Kronen. Dieser ethisch-politische Gehalt ist immer der Leitsatz der Großen unseres Geschlechtes gewesen.

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Die Ausbreitung des Geschlechtes Feurstein-Feuerstein in Mitteleuropa hat es mit sich gebracht, daß viele Nachfahren nichts oder kaum etwas über die Geschichte ihrer g e m e i n s a m e n Heimat wissen. Manche Gruppen davon, wie die Elsässer, haben nur noch eine ganz dunkle Vorstellung von einer Herkunft aus der Bodenseegegend.

Deshalb wird eine allgemeine geschichtliche Übersicht vorangestellt, insoweit die darin enthaltenen Ereignisse direkten Einfluß auf die Schicksale der Feuersteinfamilie hatten oder die Voraussetzung für das Werden der Bauernrepublik des hinteren Bregenzerwaldes bildeten. Die eigentliche familiengeschichtliche Darstellung folgt im zweiten Teil.

 I.

Lange vor der Zeit, da uns die erste Kunde von dem Lande vor dem Arlberg bis zum Bodensee zugekommen ist, hat es quer durch dieses Land Vorarlberg eine uralte Kultur- und Sprachgrenze gegeben.

Der Nordteil des Landes zum Bodensee hin war keltisch, dem Westen zugehörig. Anders der Süden: hier war illyrischer Kulturraum, der dem Osten zugezählt werden muß. Später wurde er zum Rückzugsgebiet der Rhätoromanen, die sich dort bis in die neuere Zeit erhalten konnten.

Eine keltische Frühsiedlung mußte dem römischen Castrum Brigantium weichen. (Bregenz: Brigantier= keltische Gauschaft. Breg und Brigach, Quellflüsse der Donau. Brigantion = Briancon in Gallien).

Die Alemannen stießen am Bodensee 353 n.Chr. das erstemal mit römischen Heeren zusammen. Nach Vernichtung der germanischen Hauptmacht durch König Chlodwig (506 u. 507 fl. Chr.) zogen sich die alemannischen Überreste durch die Ostschweiz zurück. Solche Hundertschaften gelangten auch nach Vorarlberg und von der Dornbirner Gegend aus in den unbesiedelten hinteren Bregenzerwald, wo sie vor den Franken sicher waren. Über diese Markgenossenschaft, die sich dort über 700 Jahre unbehelligt halten konnte, fehlen urkundliche Nachrichten. Aber alle Wesenszüge der bäuerlichen Selbstverwaltung des hinteren Bregenzerwaldes (siehe Karte am Ende) lassen sich nur aus einer solchen alemannischen Landnahme erklären.

Wie die Missionare Kolumban und Gallus im Jahre 611 n. Chr. die Gegend um Bregenz vorgefunden haben, ist nicht bekannt. Sicher fanden sie unter alemannischer Herrschaft noch römische Traditionen und Bevölkerungsteile vor. Heidnische Reste sind im Bregenzerwald noch die Weormosul (Irmensul), die Jermenbündt, die Ermenwis, die Erwähnung der Erzlaren und vorchristliche heidnische Bräuche.

Der gelehrte Mönch Walafrid Strabo aus dem Kloster Reichenau gibt uns 830 n. Chr. die erste Kunde vom Bregenzerwald, den er ,,eine menschenleere Wüstenei, einen Urwald" nennt. Allerdings dürfte er von Bregenz aus nur wenig in den Wald vorgedrungen sein und nichts von der Besiedelung des h i n t e r e n Talteiles geahnt haben.

Diese Unzugänglichkeit des Bregenzerwaldes bewährte sich oft in kriegerischen Zeiten. 948 n. Chr. stand der Schwabenherzog Hermann im Kampfe mit den Grafen von Bregenz. Viele Bewohner der angrenzenden bayrischen Gebiete haben vor den mordenden Ungarn im Bregenzerwald eine sichere Zuflucht gefunden. Bären und Wölfe erschwerten um 1080 n. Chr. eine Klostergründung der Bregenzer Grafen in Andelsbuch. Das Kloster wurde aber bald aufgegeben; die alemannischen Siedler wußten zuviel vom Landhunger solcher Gründungen, durch die sie allmählich um ihre Freiheiten gebracht worden wären. Als Wälderheilige werden jetzt noch die seligen Diedo, Merbot und Ilga (auch Hilga, Athahilda, später Ottilie, 720) verehrt.

Den churrhätischen Grafen in Bregenz, aus dem ursprünglich aus Frankreich stammenden Geschlechte der Uldarichinger - mit Karl dem Großen verwandt - folgten später die Grafen von Montfort, deren Feldkircher Linie dem Bregenzerwald immer wohlwollend zugetan blieb. Die Montforter hatten im Bregenzerwald ihre Jagd und waren froh, daß die dortigen Bewohner, rauhe verwegene Gebirgler, durch eigene Führungsfamilien für Ordnung und Sicherheit Sorge trugen.

 

In einer päpstlichen Schutzbulle wird 1249 n. Chr. der Ort Bezau (Bätzenegge) erwähnt. Rudolph von Habsburg verpfändet den hinteren Bregenzerwald, soweit er Reichsgut war, im Jahre 1290 n. Chr. an Hugo von Montfort. Eine Erweiterung dieser Verpfändung, die für die Stellung des freien hinteren Bregenzerwaldes kennzeichnend ist, stammt von König Albrecht (1307 n.Chr.). Weitere Bestätigungen sind von 1401 bis 1489 n. Chr. vorliegend und betreffen die Schildhuben, welche Reichslehen waren.

 

Nach der Teilung des Gebietes des Bregenzerwaldes in einen vorderen und hinteren Teil (um 1338 n. Chr.) hat wohl die Landammannschaft ihre bleibende Form erhalten. Die Vorteile der freien Stellung zum Reich wurden eifrig ausgebaut. Da es an Urkunden aus dieser Zeit fehlt, darf auf die gleiche Entwicklung in den deutschen Bergkantonen der Schweiz hingewiesen werden. So gehörte Uri zum Zürichgau, bildete eine alemannische Markgenossenschaft, die von Zeit zu Zeit zusammentreffen mußte. Die wirtschaftliche Freiheit erlaubte auch eine freie politische Tätigkeit für die Bauern. Seit 1291 n. Chr. hatten sie dort die freie Wahl des Landammannes. Überhaupt ist die Gleichheit verschiedenster politischer Einrichtungen ganz auffallend.

 

Die Unabhängigkeit des Bregenzerwaldes bedurfte auch der Verteidigungsbereitschaft. Die Stellung eines Wehrkontingentes gehörte zu den Reichspflichten. So kamen um 1360 n. Chr. die Bregenzerwäldler den Montfortern bei der Belagerung von Grembs zu Hilfe.

 

Die Kärglichkeit des Gebirgsbodens zwang immer wieder die Bauernsöhne, sich den streitbaren Dynastien als Soldaten anzubieten. Noch in der Zeit der Venetianerkriege wurden in Vorarlberg Söldner angeworben.

 

Es kamen stürmische Jahre: Graf Rudolph VI. mußte seine Herrschaft an den österreichischen Herzog Leopold III. verkaufen, dem die Bevölkerung 1380 n. Chr. huldigte. Diese Machtverschiebung führte bald zum Kriege. Die Söldner des Herzogs Friedrich von Tirol besetzten den Bregenzerwald am 28. Februar 1415, dann eroberte Wilhelm von Bregenz das ganze Gebiet. Schließlich fiel der hintere Bregenzerwald in den Machtbereich des schweizerischen Grafen Toggenburg. Erst nach dessen Tode konnten die Habsburger 1436 sich allmählich wieder in den Besitz des ganzen Gebietes setzen. Sie blieben dort bis zum Jahre 1918.

 

Auch die Ereignisse an den Landesgrenzen hatten ihre Rückwirkungen auf den Bregenzerwald. Versuchte doch Friedrich von Tirol mit Gebirgstruppen 1417 das Konzil von Konstanz zu sprengen. Flüchtlinge berichteten von den Grausamkeiten der Hussitenheere, Reichstruppen wurden vernichtet, Kirchenreformen blieben Versprechungen. Das Baseler Konzil (1431-1448) erhöhte die Zerwürfnisse zwischen Kirche und Königtum.

Mehr als dies aber bedrückte die Bauern des Bregenzerwaldes der Wahnsinn, mit dem Karl der Kühne von Burgund die Schweizer Bauern verfolgte. Sie werden noch im 17. Jahrhundert ,,unsere lieben Freunde und Nachgespuren" genannt. Hier galt nur kluge Politik, denn die streitenden Fürsten trachteten überall, die Lasten auf die Städte und Gemeinwesen abzuwälzen. So sieht man immer das Bestreben der Bregenzerwälder Landammänner, sich tunlichst aus allen Konflikten herauszuhalten.

Inzwischen ging sogar Wien an den Ungarn Mathias Corvinus verloren, während der Kaiser im Reich umherirrte.

Die Appenzellerkriege hatten in Vorarlberg Plünderung und Armut gebracht. Fast alle Adelsburgen fielen in Schutt und Asche. Trotz der Bauernsiege wuchs ständig die Macht der Fürsten.

 

***

Um die Zeit der Entdeckung Amerikas war die Besiedelung des Bregenzerwaldes abgeschlossen; Wiesen und Weidegründe konnten nicht mehr vergrößert werden. Schätzungsweise wird die damalige Bevölkerung ca. 16 000 Menschen ausgemacht haben. Da es über Steuern und Zinsen, Pachtungen und Fählen ein sehr reiches Urkundenmaterial gibt, verfügen wir über eine gute Überschau über die bäuerlichen Verhältnisse: der Stand von 4800 Kühen hat sich durch Jahrhunderte unverändert gehalten.

 

Von Anfang des 14. Jahrhunderts an machte sich von seiten des Adels, der auf Großgrundbesitz fundierten Klöster und der Städte ein wachsender Druck auf das freie Landvolk bemerkbar, der dieses allmählich in Botmäßigkeit und schließlich in ein Untertanenverhältnis brachte.

 

Die ursprünglich gleichen Volksgenossen teilten sich alsbald in eine herrschende Oberschicht und eine breite Unterschicht. Es lag am deutschen Eigenkirchensystem, am Landhunger der Klöster und des Adels, daß das freie Landvolk zum Zinsen und Hörigen herabgedrückt wurde. Dieser Entwicklung ist der Bregenzerwald entgangen; er verdankt diese in der deutschen Geschichte seltene Ausnahmestellung allerdings mehr seiner glücklichen geographischen Abgeschlossenheit, so daß sich die ,,von alten Zeiten her" ererbten Freiheiten vom freien Märkerrecht bis zum mittelalterlichen Hochgericht zeitgemäß entwickeln konnten. Man zahlte die Reichssteuer, stellte das Soldatenkontingent und enthielt sich jeder Teilnahme an politischen Aggressionen.

 

Die erwählten Landammänner hatten keine Vorrechte; nie tauchten Streitigkeiten zwischen Landammann und Rat auf. Das Wahlprivilegium Kaiser Maximilians 1. vom 22. November 1497 bestätigte die Selbstregierung des Bregenzerwaldes. Die Landammänner fanden auch von seiten verschiedener Kaiser gebührende Beachtung, wovon die zahlreichen Wappen und Adelsdiplome zeugen, die sie erhalten hatten.

      Die Freiheitsrechte des Bregenzerwaldes waren:

           die Gleichberechtigung aller herdbesitzenden Volkgenossen,

           die freie Wahl der Landammänner,

           die eigene Gerichtsbarkeit und das Begnadigungsrecht,

           die pauschalierte Reichssteuer (Lehenssteuer),

           die Selbstverwaltung,

           die von eigenen Hauptleuten und Fähnrichen geführten Soldatenkontingente,

           die eigene Landesgrenzenverteidigung.

In frühester Zeit gab es einen Waibel und die sieben Richter, daher wohl der Ausdruck ,,gesiebt werden". In der Mitte der Landschaft, auf einer in das Tal vorstoßenden Egge - der Bezegg - befand sich das hölzerne Rathaus auf hohen Pfosten, das für 122 Personen für die Versammlungen Platz bot. Es wurde erst während der bayrischen Besetzung Anfang des 19. Jahrhunderts abgerissen. An seiner Stelle steht jetzt eine Erinnerungssäule.

Neben dem Landammann stand der meist juristisch gebildete Landschreiber. Diese Einrichtung war fast erblich: von 1522-1668 war dieses wichtige Regierungsamt in vier Generationen von Mitgliedern der Familie Fürstein besetzt. Dem damals beim Landschreiber beschäftigten Juristen Jerg Jeger verdanken wir den historisch wichtigen ,,Landsbrauch", eine Aufzeichnung aller Gesetze.

Manches Schweizer Museum birgt Beutestücke aus dem verheerenden Schwabenkrieg von 1499, in dem der Bregenzerwald von den Feinden ausgeplündert wurde. Das Kloster Mehrerau mußte seinen Besitz in Diepoldsau sogar verpfänden, um die Bregenzerwäldler auszulösen, die bei der Schlacht von Hard in Gefangenschaft geraten waren. Eine Urkunde von 1507 gibt die Stärke des Bregenzerwälder Kontingentes mit 580 Mann an.

Im Venetianerkrieg 1508-1511 erfolgten viele Anwerbungen von Bauernsöhnen, die ihr Blut einer fremden Sache opfern mußten.

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Überall nahm die Mißstimmung mit den kirchlichen Verhältnissen zu. Gewiß war im Bregenzerwald davon nicht viel zu spüren. Religion war für das schwer arbeitende Bergvolk ein Halt gegen die Angst vor dem Nichts, vor allem war sie ein erzieherischer Faktor, in dem theologische Unterschiede ohne Bedeutung waren. Luthers Reformvorschläge von 1517 führten unter dem Deckmantel moralischer Besserung zu Machtkämpfen der Fürsten, die dem ganzen Reiche Verderben brachten. Aberglaube und Fanatismus haben auch die Bergwälle des Bregenzerwaldes übersteigen können. Noch der letzte Hexenprozeß gegen die Frau und die Tochter des Landammannes Erhart (1556) ist eine erschütternde Anklage gegen diese Zeit.

Während Vorarlberg seine Bauernkriege längst durchstanden hatte, brach im benachbarten Allgäu der lang erwartete Aufstand aus. Die Bauern wollten die evangelische Freiheit, welche die Anhänger Luthers verkündeten, auch auf ihre soziale Lage ausgedehnt wissen. So haben die 12 Artikel des ,,Manifestes des gemeinen Mannes" überall Zustimmung gefunden, aber der Aufstand artete in wilde Zerstörungswut aus, so daß das Volk nicht mehr Träger der religiösen Bewegung blieb. Dank der Geschicklichkeit der Landammänner konnte der Bregenzerwald, mit Ausnahme Lingenaus, aus der Erhebung und damit auch aus dem entsetzlichen Strafgericht herausgehalten werden. Daß Karl V. knapp vorher (1524) der Familie Feurstein in Andelsbuch einen Wappenbrief verlieh, war wohl sicher nur ein Beschwichtigungsversuch gegen die wachsende Unruhe gewesen.

Das Ereignis, das die ganze Christenheit bedrohte, war der Angriff auf Wien durch den türkischen Sultan Soleiman (1529). Nur die äußerste Tapferkeit aller Reichskontingente, darunter auch die Bregenzerwäldler konnte die Bedrohung Europas abwenden. Bald darauf konnten die Bregenzerwälder Vertreter auch den glänzenden Reichstag von Augsburg besuchen.

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Hier ist es am Platze, eines anderen Bregenzerwälder Geschlechtes Erwähnung zu tun, das durch Jahrhunderte mit den Fürstein immer wieder versippt ist. Es ist dies die große Familie Metzler (auch Mätzler und Mäzler), welche dem Bregenzerwald mehrere gute Landammänner und zahlreiche Würdenträger gegeben hat. Der Konstanzer Erzbischof Metzler (von Andelberg) spielte am Konzil von Trient 1545 eine vermittelnde Rolle und schuf auch die erste Bodenseekriegsflotte. Kaiser Karl V. verlieh ihnen den Reichsritterstand. Der herrliche Rundholzschild im Feldkircher Rathaus sowie eine Hinterglasmalerei im Schloss Umbras zeugen vom Kunstsinn dieser Familie.

Seltsam, daß die mystisch-schwärmerische Erregung im Volke nach den Bauernkriegen noch lange anhielt, insbesondere, weil Kaiser Maximilian II. (1564-1576) der Reformation freundlich gegenüberstand und die Toleranz als Grundtugend des Christentumes betonte. So hatte sich auch im Bregenzerwald die Wiedertäufersekte um 1585 in Au ausgebreitet und sich bis 1750 gehalten.

Der gewaltige Schlag der Gegenreformation begann mit dem von Spaniern beherrschten Rudolph II. (1576-1612). Blieb auch der Bregenzerwald von diesen geistigen Auseinandersetzungen verschont, so waren doch die Rückwirkungen aus dem Reich auf Handel, Wohlstand und die geistige Bildung nachhaltig. Noch zehrte das Land ,,mit der gelben Flagge und dem Tannenbaum in der Ecke" vom soldatischen Ruhme von 1546, wo der Bregenzerwälder Landsturm die Stadt Bregenz vor schmalkaldischen Plündererscharen rettete.

 

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Das Gebiet des jetzigen Bregenzerwaldes ist um vieles größer als das damals die Landammannschaft war. So berichtet eine Urkunde vom 9. September 1404 von diesem Territorium ,,Egg, Andelspuch, Swarzenberg, Ellenbogen, Bützow und was hinter der Schnepfau liegt, auch Langenegg, die zu ihm gehört". Langenegg-Krumbach gehörte gerichtlich zum Bregenzerwald, hingegen war Lingenau bregenzisches Gericht. Somit war Langenegg-Krumbach eine Enklave.

Mit den Saumverkehrspfaden war eine uralte Verkehrsinstitution, die Herburgen, verbunden. Solche Unterkunftsstätten waren die Herburg bei Mellau, auf die Schnepfegg führend die Rosenburg, am Wege nach Au die Burg in der Hölle, bei Großdorf-Eggatsberg die Meusburg. Außerdem erwähnt der Wiener Kodex für Büzau 1461 noch eine Mospurg. Jetzt sind diese längst vergessen.

Die lebenswichtigen Ausfuhrgüter waren die Schmalzlieferungen über Reutte nach Innsbruck und Hall, obwohl die zwangsweise gedrückten Preise viel zur Verarmung des Bregenzerwaldes beigetragen haben. Sehr begehrt waren die im Krieg wichtigen Saumpferde, die damals im Bregenzerwald gezüchtet wurden. 900 solcher Pferde wurden 1617 von einem Landammann nach Mailand verkauft. Garn war ebenfalls Ausfuhrware, Wein wurde eingeführt.

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Im 17. Jahrhundert beginnt sich der Staatsabsolutismus immer stärker bemerkbar zu machen und greift in die Freiheiten, ja selbst in das Privatleben des einzelnen ein. Wieder Krieg: der Bündtnerkrieg 1621 bis 1622, ein Dezenium später sind die Landesgrenzen unablässig bedroht (1633-1647).

Die gern erzählte Frauenschlacht, die von der Vernichtung der schwedischen Soldateska berichtet, dürfte wohl eine alte Sage langobardischer Herkunft sein.

1631 lernt die Bevölkerung des Bregenzerwaldes die Not kennen, als kaiserliche Regimenter kamen, denen im Laufe der Jahrzehnte noch viele andere folgten. Erpressungen von Geldern, Vergewaltigungen der Frauen und Mädchen sowie Verstümmelungen der Männer erfüllten den Alltag. Trotz aller Gegenwehr schmolz der fleißig erarbeitete Wohlstand des Landes dahin. Dazu kamen die Kontributionen und Menschenverluste durch Auswanderungen.

Mit großer Anstrengung konnte 1642 eine Plünderung des hinteren Bregenzerwaldes verhindert werden. Nur die Stadt Bregenz wähnte man uneinnehmbar. Die Reichen, die Klöster und der Adel brachten ihre Schätze dorthin. Dennoch fiel die Stadt 1646 an den schwedischen General Wrangel. Es sollen dreißig Tonnen Gold gewesen sein, die die Schweden als Beute auf Hunderten von Wagen wegführen konnten.

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Der Dreißigjährige Krieg hat sich auch auf den fröhlichen, offene Volkscharakter schwerwiegend ausgewirkt. Die Wohlhabenheit war vernichtet, die Moral durch das Soldatenleben verdorben. Es schwanden Bildung, Kunst, Ehrlichkeit. Überall regte sich ein Mißtrauen gegen alles. Unterwürfigkeit und Pedanterie sowie eine düstere Schwermut kamen über den Stamm der Bregenzerwäldler. Geiz und Neid, Protzentum und Habsucht brachen durch. Echte Religiosität wich einer kirchlichen Äußerlichkeit. Es kam soweit, daß Täuschung, Vorenthaltung, Unwahrheit und Übervorteilung des Handelspartners als völlig ausserhalb der religiösen Werteordnung aufgefaßt wurden.

Bereits vor 1635 missionierten die Kapuziner im Bregenzerwald, bis sie 1656 in Bezau ein armseliges Kloster erbauen konnten, von wo aus sie sich unentmutigt um ein alle Bereiche einschließendes christliches Leben eben bei der Bevölkerung bis zum heutigen Tage verdienstvoll bemühten.

Das Ringen um das sittliche Niveau hat auf einem Gebiete einen Erfolg gezeitigt, der bis jetzt angehalten hat. Es wurde nämlich auf Drängen der Bußprediger eine n e u e T r a c h t geschaffen. Sie gilt mit Recht als eine der schönsten deutschen Volkstrachten, weshalb ihre eigenartige Entstehungsgeschichte erwähnenswert erscheint.

Bereits 1534 hatte der Konstanzer Bischof einige Prediger in den Bregenzerwald entsandt. Diese fanden aber die dortige knielange und ärmellose Tracht der Frauen als eine Gefahr für die gute Sitte. 1599 findet sich wieder ein Bericht von Jesuiten über den Bregenzerwald, die dort die Wiedertäufer bekehren sollten. Jedenfalls war die damalige Tracht so, wie jetzt das Dirndl überall verbreitet ist. Einfacher Wollrock von grüner Farbe mit roter Miedereinfassung. So haben also die Missionare im Bregenzerwald sehr klug den importierten Hanf- und Flachsanbau in ihre sittlichen Besserungsabsichten einbezogen. Sie ermahnten lt. Herburger Chronik Seite 454 - die Weibspersonen in der Christenehre, ,,die bisher gehabte ärgerliche Tracht abzulegen und dafür aus weißem Tuch in Hanf und Flachs weiße Juppen anzufertigen, wobei sie auch viel wohlfeiler herauskämen".

Der gelb oder gräulich gebrochene Farbton fand wenig Gefallen. Gleichzeitig aber gewann der von Wien kommende spanische Modegeschmack mit dem feierlichen Schwarz immer mehr Eingang. So entstand daraus die fußlang gefältete, gegläste schwarze Juppe, und die Bregenzerwäldlerinnen fügten mit ihrem ererbten alemannischen Schalk die farbenprächtigen Stickereien hinzu.

So haben die kirchliche Besorgnis um die Keuschheit die spanische Hofmode und die alemannische Fröhlichkeit zusammengewirkt, um diese stilmäßig für große, schlanke und helle Menschen bestimmte Tracht zu schaffen, die zu einer der schönsten des deutschen Kulturraumes gehört. Die alte Tracht aber blieb, selbst mit den roten Rocksaumspitzen, als Unterkleid der Bregenzerwälderinnen weiterhin bis zum heutigen Tage bestehen.

In den goldenen Feiertagskronen und in den künstlerisch hochwertigen Broschen, die am Gürtel rückwärts getragen werden, hat sich ein heimisches Kunstgewerbe große Verdienste geschaffen.

Landammann und Rat befanden diese Trachterneuerung für gut. Bereits 1642 wurde auf Betreiben des Landammannes Josef Greber in Schwarzenberg eine Schwarzfärbe für diese geglästen Juppen errichtet.

Beim Tode des Landammannes Johan Feurstein (1683), des siebten seines Namens, waren die Schrecken des Dreißigjährigen Krieges noch nicht überwunden. Schon stehen neue Prüfungen bevor. Ein feinsinniger Gelehrter und Künstler, Kaiser Leopold I., mußte alle seine Kräfte gegen die Türken einsetzen, währenddessen dem Reich Lothringen verloren ging und mitten im Frieden die Stadt Straßburg geraubt wurde.

Daß ein deutscher König offenen Reichsverrat betrieben, daß ein christlicher König die Türken mit Geld unterstützte, um solche Aggressionen möglich zu machen, hat die ganze humanistisch gebildete Welt dieser Zeit aufs schwerste erschüttert. 1683 wurden die Türken vor Wien vernichtet. Kein Historiker meldete die Taten des Bregenzerwälder Landsturmes. Es ist uns nur die rührendtapfere Teilnahme des greisen Altlandammannes Joh. Jak. Fink überliefert, der Ihrer Majestät in ihrer Not zu Hilfe kommen wollte und mit seinem Bregenzerwälder Kontingent 1685 bei der Belagerung Neuhäusis und dem Entsatze von Gran mitkämpfte.

Die Umänderungen in der Bevölkerung blieben auch im Bregenzerwald nicht ohne Nachwirkungen. Die Jugend war mit dem patriarchalischen Führungsanspruch der Alten nicht mehr zufrieden. Es kam zu einem Aufstande 1706, der den Landammann Johann Feuerstein VIII. hinwegfegte.

Jeder Beitrag über die Geschichte der Feurstein und Feuerstein wäre unvollkommen, würde nicht auch der großen Bedeutung der Bregenzerwälder Barockbaumeister gedacht. Es hat schon früher kleine Ursprungsgebiete gegeben, die durch längere Zeiträume Zentren hervorragender Begabungen waren. So sind dem Kunstkenner die Comasken, die Graubündner Barockbaumeister und die großartige Gruppe von Wessobrunn, geläufig. Im 17. und 18. Jahrhundert war der Bregenzerwald die Baumeisterheimat, die mehr als 800 bedeutende Baufachleute hervorgebracht hatte. dabei ist für den Familien- und für den Begabungsforscher von Wichtigkeit, wie diese großen Künstlergeschlechter untereinander versippt waren. Manche Familien haben durch vier Generationen große Meister gestellt. Peter Thums Mutter war Christine Feurstein. Über die anderen Feurstein gibt das Werk von Lieb und Dieth ,,Die Vorarlberger Barockbaumeister"' Verlag Schnell und Steiner, München, umfassenden Aufschluß. Dieses Werk ist deshalb familienkundlich von hohem Wert, weil es neben dem prachtvollen Bildteil Aufschluß über die Auswanderungen gibt. Nach Leitmeritz in Böhmen, nach Wien, München, Frankfurt, den Rhein hinauf, ins Elsaß und in die Schweiz geht das Verteilungsnetz der vielen Bregenzerwälder Bauzüge.

Klöster und Kirchen (Weingarten, Einsiedeln, Birnau, Königsbrück in Elsaß, Obermarchtal u. a.) Schlösser und Adelssitze sind in großer Anzahl von solchen Bregenzerwälder Bauzügen errichtet worden. So hat z. B. Meister Peter Thumb ,,aus dem Land ins Elsaß Polier, Gesellen und Buben zweihundert mitgenommen".

Familiengeschichtlich ist die Behandlung der Bauleutezunft von Ausserhalb deshalb so aufschlußreich, weil damit auch die rassische Zusammensetzung der Vorfahren eine Aufhellung erhält. Wie konnte es im kleinen Orte Au zu einer s o l c h e n Begabungshäufung kommen?

In diesem Raume haben sich drei Volks- und Kulturströme getroffen und überkreuzt. Einmal die frühen Siedler, die A1emannen, dann als zweiter wichtiger geschichtlicher Faktor die

R h ä t o r o m a n e n, die vom Walgau aus über die Pässe in den hinteren Bregenzerwald kamen, und dann als drittes Element im 13. und 14. Jahrhundert die V a l s e r. Diese aus dem Wallis und Berner Oberland ausgewanderte, vorwiegend auch alemannische, Gruppe hat zweifellos auch mediterrane Volksteile mitgebracht. Gerade diese fallen im hinteren Bregenzerwald durch klassische Schönheit immer noch auf. Im Herkunftgebiet der Valser am Monte Rosa ist das Dorf Alagna ein Bauhandwerkerzentrum.

,,Die Berührung des Alemannentums mit den Reserven rhätoromanischer Elemente und den Möglichkeiten immer wieder erneuerter Verbindung zu Italien hat ein eigenartiges kraftvolles und hochbegabtes Volkswesen entstehen lassen. Die Auseinandersetzung und Synthese germanischer und romanischer Elemente ist als für die Barockarchitektur allgemein bedeutsam erkannt.." (Norb. Lieb)

Damit stehen wir vor einer biologischen Erklärung,wieso sich die besonderen Kräfte und Begabungen im hinteren Bregenzerwald so verdichten und erhalten konnten. Im äußeren Erscheinungstyp gleichen sich die nordischen und mediterranen Elemente - von den Farben abgesehen ohnehin sehr.

Es bleibt eine berechtigte Frage offen: weshalb hat der Bregenzerwald selbst keine der farbfrohen, strahlenden Barockkirchen? Warum entfalteten die Bregenzerwälder Baukünstler in der Fremde eine überschäumende Lebenskraft, während in der Heimat kein Auftrag ihrer harrte? Lag es am veränderten Volkscharakter oder an der wirtschaftlichen Notlage? Wir wissen es nicht, aber wohl war eine Religiosität, die gewillt gewesen wäre, solche gewaltigen Opfer zu bringen, auch nicht mehr lebendig.

Wie schon erwähnt, war der Beginn des 18. Jahrhunderts ein Zeitraum bewegender Stürme in der Politik und in der Lebensauffassung. 1702 drohte eine Loslösung des Bregenzerwaldes von Österreich und eine Aufteilung auf die Stifte Kempten und St. Gallen. Nur am erbitterten Widerspruch der Stände scheiterte diese Absicht.

Der Spanische Erbfolgekrieg 1714 und schließlich der Österreichische Erbfolgekrieg 1734-1745 verlangten auch vom Bregenzerwald neue Opfer.

Wenn auch der Bregenzerwald naturgemäß wenig Bindungen zum Wiener Hofe hatte, erwachte doch eine große Begeisterung für die junge Kaiserin Maria Theresia, als diese von beutegierigen Machthabern überfallen wurde.

Die Reformen ihres Sohnes Joseph II. haben im Bregenzerwald wenig Auswirkungen gehabt. E i n e Maßnahme, die er traf, ist dennoch für die Familiengeschichten vieler Österreichischer Geschlechter von seltsamer Nachwirkung geblieben; denn Joseph II. zwang nach 1780 die bisher namenlosen galizischen Juden, nunmehr Familiennamen anzunehmen. Dadurch sind auch die Namen Feuerstein, Metzler und andere Wäldlernamen von solchen Volksgruppen angenommen worden. Gegenwärtig gibt es - fast ausschließlich in den USA - viele Nachkommen dieser galizischen Zuwanderer, die natürlich nicht den geringsten Zusammenhang mit den Bregenzerwälder Landammannsgeschlechtern haben.

Der Beginn des 19. Jahrhunderts brachte das Ende der bäuerlichen Selbstverwaltung des Bregenzerwaldes. Als nach den Franzosenkriegen der Bregenzerwald bayrisch wurde, konnten nur noch Standesrepräsentanten vom Volke gewählt werden. Als dann nach dem Sturze Napoleons der Bregenzerwald wieder an Österreich zurückgegeben werden mußte, dachte die Wiener Bürokratie nicht mehr daran, die alten Rechte und Freiheiten anzuerkennen.

Der Bregenzerwald wurde ein Verwaltungsgebiet wie viele andere in der K. K. Monarchie.

Damit endete auch die Macht und die Größe der alten Geschlechter, die sich dem Handel zuwandten und immer mehr die Weite der ererbten politischen Begabung verloren.

 II.

Wohl dem, der seiner Väter gern gedenkt,

Der stolz von ihren Taten, ihrer Größe

Den Hörer unterhält und still sich freuend

Ans Ende dieser Reihe sich geschlossen sieht.

,,Kein vorarlbergisches Geschlecht ist nach dem der berühmten Ritter und seit 1560 Reichsgrafen von Hohenems zu so hohem militärischen Range und Rufe gelangt wie diese Feuerstein aus dem Bregenzerwalde."

So beendet der Historiker Dr. Josef von Bergmann 1870 seine Studie über die Grafenlinie des Geschlechtes Feuerstein. Auch andere Forscher wie Rudolf Hämmerle und Andreas Ulmer haben auf die hohe Stellung und große Verbreitung dieser Landammannsfamilie hingewiesen.

(v.Bergmann: 1870, Die Familie Feuerstein. Mitteilungen der Zentralkommission für Kunst historische Denkmale. Wien. - Rudolf Hämmerle: ,,Standeserhebungen u. Wappenverleihungen in der Sippe der Feuerstein" (Vorarlbg. Landesmuseumsverein 1954). - Andreas Ulmer: ,,Burgen u. Edelsitze Vorarlbergs u. Lichtensteins. - Dr. Welti. LA: "Die Landamtmänner" u.a.(Bregenz) 1925.)

Es ist außerhalb Vorarlbergs wenig bekannt, daß der hintere Bregenzerwald dank seiner geographischen Abgeschlossenheit, aber auch dank dem Geschick seiner demokratisch gewählten Landammänner imstande war, fast durch ein halbes Jahrtausend hindurch sich eine republikartige Selbständigkeit und Unabhängigkeit zu bewahren.

Der erste Teil dieser Zusammenfassung der Geschichte der Familie Feurstein und Feuerstein ist vorwiegend für die nichtvorarlberger Nachkommen bestimmt, die über die Stammheimat der Familie zwischen Bodensee und Arlberg bisher zu wenig gewußt haben.

Die Neufassung der Wappentafel der Bregenzerwälder Landammänner, die wegen vieler heraldischer Irrtümer erforderlich war, hat es zwangsläufig mit sich gebracht, daß die ganze Geschichte des Geschlechtes untersucht werden mußte. Selbstverständlich können solche Studien weder Anspruch auf Vollständigkeit noch auf Richtigkeit erheben: Sie beruhen auf jenen Unterlagen, die zugänglich gewesen sind.

Um gleich einleitend einen viel verbreiteten Irrtum zu klären, muß immer wieder betont werden, daß die Namensträger Feurstein und Feuerstein ein und derselben Großfamilie zugehören. Die Schreibweise ist oft in der gleichen Urkunde fallweise verschieden. Wenn es eine geschichtliche Unterscheidung gibt, dann nur die in Nachkommen der Landschreiberlinien und in die der Tuchmannlinien. Sie führen aber beide dieselben Wappen und schreiben beide ebenfalls Feurstein und Feuerstein. Weitere hauptsächlich früher vorkommende Schreibweisen beider Linien waren Fürstein, Fürstain, Feirstein, Feyrstein, Feürstein.

Vermutlich hat der Name nichts mit Feuer zu tun, sondern dürfte wohl am ehesten mit ,,Vorsteher" gedeutet werden, da im Dialekt jetzt noch der Name als ,,Fürstu" ausgesprochen wird.

Die verschiedenen Wappendiplome sind allerdings nur in die Landschreiberlinien gekommen.

Es ist bei dem dürftigen Urkundenbestande im Bregenzerwald sehr schwer, ein persönliches Bild von den historischen Vertretern des Geschlechtes zu gestalten. Nur an Hand der Geschehnisse, in die sie in ihrer Zeit hineingestellt waren, kann ermessen werden, ob sie ihrem Lande verdienstvoll gedient haben. Es gibt kaum Briefe oder Aufzeichnungen, aus denen ihr eigenes Schicksal abgelesen werden könnte.

Um die Zeit, als Kaiser Friedrich Barbarossa im Kampfe mit den oberritalienischen Städten stand, erscheint in zahlreichen Klosterurkunden 1160 ein Wernherus Fuirstein (auch Vuirstein, Fuirstain und Fewerstin) als Zeuge neben anderen ritterlichen Zeugen. In einer dieser Urkunden übergibt er sein Weib Osrnia und seine Kinder der Obhut des Grafen Sibotoni. Diese Urkunden finden sich in den Regesten der Klöster Weyarn und Chiemsee. Im Index der Monumenta Boica wird er Feuerstein geführt.

Aber die Nachkommen dieses frühesten Feuerstein verlieren sich wieder im Dunkel der Geschichte. Es darf wohl angenommen werden, dass die Söhne solcher Ministerialen sich dem Soldaten- oder Verwaltungsdienste in den nahen Alpenländern widmeten, wie schon zur Zeit der Ungarnverheerungen die Bayern in den Bregenzerwald geflohen sind.

Erst 1380 erscheint der Name in Vorarlberg im Montforter Urbar. Zu hoher Bedeutung kommt die Familie Feuerstein, als sie mit Hans Fürstein von Betznow (Bezau) von 1417-1430 in mehreren Wahlperioden den ersten urkundlich bekannten Landammann dieses Geschlechtes stellt. Gerade in dieser Zeit ist es bei der Namensgleichheit schwer zu bestimmen, ob es sich um den gleichen Landammann handelt oder einen Verwandten.

Damals hat Karl der Kühne von Burgund die Schweizer Bauern durch Wahnsinnstaten schwer bedrängt, so daß der Bregenzerwald lebhaften Anteil am Schicksale ,,ihrer lieben Freunde und Nachgespuren" nahm.

Es folgt Heinrich Fürstein von Bitznow (Bezau), 1430-1457. Er schreibt sich auf seinem Siegelwappen, einem stehenden Bogen mit Pfeil, Hainrich Fuirstain, gleich dem Vorfahren aus Weyarn. Auf politischen Tagungen in Feldkirch und Lindau finden sich auch diese Landamänner ein, um ihre verbrieften Handelsrechte zu verteidigen.

 

Wohl der bedeutendste Landammann in diesem Jahrhundert war Haintz Fürstain von Schnepfau (1457-1490), der ein hohes Alter erreichte und seine politische Erfahrung seinem Sohne Hans Fürstain weitergeben konnte. Er verwendete als Wappen ein doppelarmiges Kreuzherrnkreuz.

Als vierter Landammann aus dem Feuersteingeschlecht erscheint Hans Fürstain von Büzow in verschiedenen Wahlperioden von 1451 bis 1495. Sein Siegel zeigt erstmalig einen einfachen Gemsenkopf mit der Umschrift: Hans Fuirstain.

Der fünfte seines Namens ist Hans Fürstain von Schnepfau, 1494 bis 1518, der seinem Vater in der Landammannswürde folgt. Dessen Mutter war Katharina Muchselin, aus derem Geschlechte später die Künstlerfamilie der Muchsel (Muxel) kam. Noch im 19. Jahrhundert nannte man die Feuerstein in Bezau wegen einer Adoption die ,,Müxelles". Wie sein Vater, führte auch er ein Kreuz im Wappen, wenn auch etwas verändert.

(Siehe Helmut Gasteiner-Feuerstein: Wappensiegeltafel der Bregenzerwälder Landammänner.1933. Bergmann: Über den Bregenzerwald u. die Reihe der Landammänner. Österr. Zeitschrift für Geschichte u. Staatskunde, 1835, Nr. 27. Bergmann: Der Denkstein des Johannes Feuerstein in Krumbach. - Ulmer: "Dekanat Bregenzerwald." (1926) Pf. Krumbach, S. 388)

Der Schwabenkrieg brachte 1499 eine Plünderung des Bregenzerwaldes; auch der Venetianderkrieg 1508-1311 hinterließ schwere Verluste, insbesondere an Söldnern.

Der sechste Landammann, Jakob Fürstain von Andelsbuch, ist eine große Führergestalt. (1511-1338). Man wird nicht fehlgehen, wenn annimmt, daß Kaiser Karl V. diesem Landammann deshalb einen Wappenbrief verliehen hat, um der umsichgreifenden Bauernmißstimmung entgegenzutreten.

Der Wappenbrief von Karl V., datiert zu Nürnberg am 19. April 1524, besagt, daß ... ,,der Kaiser guetlich angesehen und betracht haben solich Ehrbarkeit, Redlichkeit, Tugent und Vernunfft, damit unser und des ichs lieber getrewer Jakob Feuwerstein vor unserer kayserlichen Majestät berumbt wirdet, auch die getreuen und willigen Dienst, so er Uns und dem hl. reich bisher getan hat und noch tun mag...

Das Wappen ist eine braune Gemsenbüste in goldenem Schild, aus einem Feuereisen aufsteigend. Heimzier gleich wie Schildbild, Helmecken schwarz-gelb. Es scheint eine Bestätigung des bereits von diesem Landammann 1516 und 1522 benützten Wappens zu sein.

(Konrad Fischnaler: Wappenschlüssel f. Tirol u. Vorarlberg. 1. Teil, S. 445 - 1516 u. 1511, Wappensiegelsammlung VLA.)

Dieses Wappen verwendet der Landammann zwar in einigen Siegeln, doch verschwindet es dann völlig aus dem Bregenzerwald. Es wird gegenwärtig zur Unterscheidung von den österreichischen Linien, die die ganze Gemse mit Feuereisen in den Läufen verwenden, von den reichsdeutschen Linien benutzt.

Eine lückenlose Abstammung von diesem Jakob Feüwerstein, in dessen Regierungszeit die erste Belagerung Wiens durch die Türken Soleimans 529 fällt, kann die noch in Paris lebende Linie des M. Robert de Feurstein vorlegen. Über den Dienst in den Vorlanden in Isny und Freiburg trat diese in französische Adelsdienste und zog dann nach Frankreich. Nach der Inschrift auf dem Grabstein zu Krumbach war auch ein Jakob II. Feurstein Landammann.

Die nächste Verleihung erfolgt zu Augsburg am 6. Juni 1359. Dem Landschreiber Caspar I. Feuerstein wird für seine Verdienste, die er ich während der schmalkaldischen Empörung, in der Besatzung zu Bregenz und hernach als Landschreiber im Bregenzerwald erworben hat, ein Wappenbrief verliehen. Seinem Enkel Caspar wird dieses Wappen von der Reichsstadt Isny bestätigt.

 

Wappen 1159: In goldenem Schild auf schwarzen Dreiberg eine steigende naturfarbene Gemse, ein schwarzes Schurfeisen abstreckend. Helmzier: Bausch, daraus Gemse wachsend zwischen goldenen Büffelhörnern ( Siebmacher, Suppl. VI., S. 21 u. Drost, Allg. Wappenbuch). 1564 hat der Landschreiber Jakob I. v. Schwarzenberg dasselbe Wappen, jedoch ( richtigerweise) auf grünem Dreiberg ( Fischnaler, 1. Teil, S. 70).

Tiroler Wappenverleihung von Erzherzog Ferdinand, Innsbruck am 10.4.1589 an Caspar Feuerstein ( Tiroler Wappenbuecher): In goldenem Schild ein erdfarbener Dreiberg, darauf eine stehende Gemse, in ihren Füßen hinten unten und rechts oben ein Feuereisen haltend. Stechhelm mit Bausch, goldschwarze Helmdecke. Helmzier: zwei goldene Büffelhörner, dazwischen der Vorderteil der Gemse mit dem Feuereisen

( Adelsarchiv Wien, Bd. XIII, H. v. Goldegg, Verzeichnis der Tiroler Wappenbücher.) Zwei weitere Tiroler Wappenbriefe vom 17.6.1624 und von 1650 stellen einen roten Löwen in Silber dar, der einmal in den Pranken einen Feuerstein und einen brennenden Zunder hält, später einen Stab (?) haltend.

 

Einen weiteren Wappenbrief verlieh Kaiser Rudolph II. zu Prag am 8. März 1605 an die Gebrüder Kaspar (III.) und Jodok Feuerstein. Das Original dieses Wappenbriefes ist in Privatbesitz in Bezau.

 

 

                                                                                     

Wappen von Rudolph II. 1605: Im goldenen Schild auf grünem Dreiberg aufrechtstehende naturfarbene Gemse, in den Vorderläufen ein Feuereisen haltend. Stechhelm mit schwarz-gelber Helmdecke, in diesen Farben gewundener Bausch, zwei goldene offene Adlerflüge, dazwischen Vorderteil einer Gemse, wie im Schild, das Feuereisen abstreckend.

 

Es zeigt jenes Wappen, das viele österreichische Feuerstein führen.

Dieser dritte Caspar seines Namens war ebenfalls Landschreiber und hat am 20. Januar 1605 Christina Meusburger geheiratet. Der Sohn dieses dritten Caspars hieß Gabriel, geboren am 8. Juni 1607 zu Bezau, gestorben dortselbst am 7. April 1652. Er ist der Stammvater der späteren Freiherren und Grafen von Feuerstein.

 ***

Bevor auf diese Linie eingegangen wird, muß auf das Feuersteingrabmal an der Außenseite der Kirche in Krumbach besonders hingewiesen werden, weil es das älteste steinerne Zeugnis des Geschlechtes ist. Es wurde für den Sohn des obengenannten Gabriel Feuerstein, Johannes, Rat und Landammannsausschuß, gestorben 1674 und für seine Frau Maria Moosmann von der Blatten, gestorben 1673, errichtet.

Auf diesem Grabstein sind viele Feuersteingenerationen verzeichnet, so daß wohl der Großteil der gegenwärtig in der Welt verbreiteten Nachfahren hier seine ältesten bekannten Ahnen hat. An Jahreszahlen sind auf diesem Denkstein des Geschlechtes Feurstein=Feuerstein angeführt: 1434, 1500, 1534, 1564, 1673 und 1674. Dabei sind alle drei Kaspar Feuerstein als Vorfahren verzeichnet.

Unten am Denkstein sind drei Wappen: das eine mit den gegeneinander stehenden Feuereisen mit dem Stein, oben und unten mit herausschlagenden Flammen, das zweite ebenfalls ein Feuersteinwappen mit der stehenden Gemse auf dem Dreiberg, das dritte das Wappen der Moosmann von der Blatten. (Beschreibung des Textes bei Bergmann aaO, und Ulmer, Dekanat Bregenzerwald.)

Die Wiederherstellung des völlig zerfallenen und bereits unleserlichen Denksteines in Krumbach muß ein Gesamtanliegen aller lebenden Feuerstein werden.

 ***

Ebenfalls zu der Bezauer Linie der Feuerstein muß der Brixener Weihbischof Simon Feurstein gezählt werden. Er wurde zu Landeck in Tirol geboren, studierte in Rom am Germanicum, wurde 1588 Domherr zu Brixen, 1597 Bischof, 16o1 Dompropst. Er erwarb das theologische Doktorat und war drei Fürstbischöfen ein diplomatischer Berater und Freund. Sein Bild ist noch im Besitz der Freiherren von Sternhach. Für ihn ist in der Pfarrkirche in Bregenz ein Jahrtag gestiftet, wo er im Stiftsmessenkalendarium zwischen Bregenzer Vertretern des Geschlechtes Feuerstein erscheint. Die Vornamen Jodok, Jakob und Franz Ignaz weisen auf Bezau.

Nach der Pest in Innsbruck 1611 weihte er dort mehrere Kirchen, war mit dem Deutschmeister Erzherzog Maximilian und den Erzherzoginnen Christiana und Eleonora ein Förderer der Servitinen. Er starb 1623. Im Unglauben und in der Glaubensspaltung sah er, wie er in vielen Predigten am Fürstenhof in Innsbruck zum Ausdruck brachte, einen beginnenden Untergang der deutschen Kultur und die Verarmung es Geistes.

Er verwendete meist das Gemsenwappen, aber auf dem Helm eine weiße Mitra mit Krummstab. Auf seinem Porträt ist er mit dem Wappen mit den gegeneinander gestellten Feuereisen abgebildet. Dieses Bild kann allerdings erst später entstanden sein.  (A.Sinnacher.' Beiträge zur bischöflichen Kirche Säben u. Brixen, Bd. VII, S.567).

Hier muß auch eines gelehrten Mannes gedacht werden, der der Wappenkunst einen unschätzbaren Dienst erwiesen hat. Es ist die Jakob Feirstein, auch Feurstein, Camerarius des Kapitels zu Imst und Pfarrer zu Stams. Erzherzog Leopold V. verlieh ihm und seinen Brüdern Georg und Wendelin einen Wappenbrief am 17. Juni 1624 . Dieser Jakob Feurstein rettete das Bruderschaftsbuch vom Arlberg, eins der kostbarsten Wappenbücher der Welt, vor der Vernichtung und setzte am Schluß sein eigenes Wappen dazu (1647).

Dieses Wappenwerk ist im Wiener Staatsarchiv. Das Wappen zeigt im silbernen Schild einen roten steigenden Löwen, rechts ein Feuereisen, links einen Feuerstein mit Flammen abstreckend. Helmzier weißroter Bausch, rote Löwenbüste zwischen rot und weiß quergeteilten, in den Mundlöchern geflammten Büffelhörnern.

Im Arlberger Bruderschaftsbuch hat allerdings der Löwe nur einen Stab in den Pranken. Helmdecken rot-weiß.

Die letzte Wappen und Adelsverleihung an die Familie Feuerstein in Vorarlberg erfolgte durch den kunstsinnigen Kaiser Leopold I. am 3. Juli 1669 an den Feldkircher Stadtschreiber Franz Ignatuis Feurstein. Geboren 1633 zu Bregenz, studierte er am Kammergerichtspräsidium in Speyer, war in Hauptmannsstellen im Kriege und dann Stadtsyndikus in Feldkirch. Der Kaiser hat ihn in ungewöhnlicher Weise ausgezeichnet, indem er ihm nicht nur das Adelswappen der Voreltern vermehrte und durch Beigabe eines adeligen Turnierhelmes mit einer königlichen Krone gekrönt verbesserte, sondern ihm auch das Privilegium Comitum Palatinorum, die Pfalzgrafenwürde, verlieh. Damit war ihm das Recht gegeben, im Namen des Römisch Deutschen Kaisers Adels-und Wappenbriefe auszustellen, uneheliche Kinder für ehelich zu erklären und notarii publici, doctores und magistri sowie baccalaurei zu creiren und zu ernennen. (Notare, Doktoren, Lehrer und Studentenexamen).

Ein solcher Wappenbrief an die Familie Kohler existiert noch.

Sicherlich hat er auch für sein Geschlecht ein Adelsdiplom geschaffen, das vielleicht das vermehrte Wappen festgelegt hat. Daß sich viele Nachkommen ,,von Feuerstein" nennen, dürfte auf eine solche Nobilitierung zurückzuführen sein. Hauptsächlich Frauen, die adelige Beamte der vorderösterreichischen und schweizerischen Gebiete heiraten, werden als geborene ,,von Feuerstein" erwähnt (nach R. Hämmerle). Jedenfalls findet sich dieses vermehrte Wappen bereits 1694 bei Landammann Johann Feuerstein. (Fischnaler aaO, 1. Teil, s.38).

Das Wappen hat einen Spaltschild und offenen Turnierheim. Die rechte Seite zeigt in Schwarz den Feuerstein aus der Kette des goldenen Vließes mit angehängtem Lamm, links, in Gold, den auf grünem Dreiberg steigenden Gemsbock mit Feuereisen. Die Helmzier hat die wachsende Gemsbüste mit Feuerstahl zwischen Büffelhörnern. Dasselbe Wappen mit geänderten Farben dürfte durch einen Irrtum entstanden sein. Das Wappen mit dem Spaltschild wurde insbesondere von der Haselstauder Linie der Feuerstein verwendet. Diese Linie hat 1667 einen Jahresgedächtnistag in Dornbirn-Haselstauden gestiftet, der jetzt noch besteht. Von Joh. Caspar Feuerstein, Ammann 175-1736 und J. Caspar Feuerstein, Balleirat, wird das Spaltschildwappen benützt.

Ein im Barockstil gehaltener Grabstein an der Kirche der Insel Mainau im Bodensee zeigt es in Stein gehauen und bemalt. Der dort Begrabene ,war der ,,wohledelgeborene Herr Joh. Caspar Feuerstein, des Hohen Deutschen Ritterordens der Ballei Elsaß und Burgund Rat und Canzleyerwalter auf der Insel Mainau", gestorben 1751.

Der oben angeführte Comes palatinus Franz Ignatius Feurstein heiratete 1665 Helene von Hummelberg, letzter Nachkomme eines Feldkircher Patriziergeschlechtes. Nach ihrem Tode 1706 ging der Edelhof Sulzhofen an die Feurstein über, die sich fortan ,,Feuerstein zu Hummelberg und Sulzhofen" nannten. Sein Sohn J. Martial Feuerstein zu. Hummelberg und Sulzhofen war reichsgräflicher hohenemsischer Oberamtmann.

Nach dieser Abschweifung soll wieder zum Bregenzerwald zurück gegangen werden. Die Zeit des Landschreibers Jakob Feuerstein aus Andelsbuch 1626-1668 ist von Drangsalen materieller und ideeller Art erfüllt. Der Dreißigjährige Krieg fordert große Opfer und bringt dauernde Grenzbedrohungen.

Wie schon im 1. Teil dargestellt, hat der Bregenzerwald zuerst durch Söldnerwerbungen, ab 1600 vor allem durch die großen Baumeisterzüge nach Mitteldeutschland, ins Elsaß, in die Schweiz und auch nach Böhmen immer wieder seine jungen Leute in die Welt hinausgeschickt, die dort verschiedentlich geblieben sind. Auch die Türkenkriege haben es mit sich gebracht, daß die Soldaten in fernen Landen eine neue Existenz gefunden haben. So erklärt es sich auch, daß viele Feuersteinlinien ihre Herkunft nicht mehr nach dem Bregenzerwald zurückführen können.

Dies gilt zuerst für die Elsässer Feuerstein, deren Einwanderung am ehesten erklärt werden kann. (Siehe Ausbreitungskarte in: ,,Die Vorarlberger Barockbaumeister".) Hier ist der früheste Namensträger 1660 Georg Feuerstein, Maurermeister in Dehlingen (Saverne). Um 1712 findet sich in Berg im Elsaß ein Feuerstein, der der erste nachweisbare Vorfahre der jetzigen Firestone--Familie in Akron, Ohio in den USA ist. Leider sind die Akten in Berg vor 1712 verbrannt. - Im Elsaß leben jetzt noch etwa 50 Feuersteinfamilien, besonders in der Gegend um Diemeringen.

In Frankreich gibt es noch eine Linie in Lyon und zwei in Paris. Die Pariser Linie des Robert de Feurstein ist von besonderem geschichtlichen Interesse. Er stammt in direkter Linie Von dem Landammann Jakob Feuerstein von Andeisbuch, der das Wappen 1524 von Karl V. erhalten hat.

Die Feuersteins, die seit dem 17. Jahrhundert in den Kirchenbüchern der Mannheimer Gegend (Ilvesheim) erscheinen, leiten ihre Herkunft von einem Vorfahren ab, der aus Ungarn eingewandert ist. Von Wien aus ist immer das Bestreben gewesen, deutsche Handwerker nach Ungarn zu bringen. Diese ungarische Herkunft besagt nichts gegen eine Auswanderung aus dem Bregenzerwald, sei es durch Soldatendienst oder Handwerk.

Die Feuerstein in Thüringen und Schlesien gehen auf einen Kriegsmann zurück, der aus Ungarn um 1600 in die nördlicheren Gebiete eingewandert ist. Er kam nach Blankenhain, Drösnitz oder Kleinlohrna. Er war eigentlich Ziegelbäcker. Daß er Protestant war, besagt nichts gegen seine Bregenzerwälder Abstammung, da damals viele Vorfahren mit der Reformation sympathisierten.

Die Feuerstein im Ruhrgebiet haben bereits eine eigene Geschlechtsgeschichte, die gesondert zu behandeln ist. (Siehe Festschrift 1941, herausgegeben von der Ruhrlinie Feuerstein, Bredenscheid über Rattingen/Ruhr, Schulstr. 36)

Die Feuerstein in der Schweiz wissen durchweg noch um ihre Vorarlberger Herkunft. - Interessant ist auch die Geschichte der in Dänemark lebenden Feuerstein~Familien. - Die am weitesten entfernt lebende Linie ist in Cuczco in Peru.

Die Geschichte der aufgeführten Einzellinien soll in weiteren Druckschriften eingehender behandelt werden.

Auf die Feuerstein in den USA, von denen fast alle aus Galizien stammen, jüdischer Herkunft sind und den Namen erst Ende des 18. Jahrhunderts angenommen haben, wurde bereits im I. Teil hingewiesen. Irgendein Zusammenhang mit der uralten Bauernadelsfamilie der Feurstein und Feuerstein aus dem Bregenzerwald besteht nicht. (Anm: Nach 1870 sind u.a. die Wolgadeutschen Feuerstein, die von Bönstadt/Oberhessen, im Jahre 1766 nach Norka an der Wolga ausgewandert waren, in die USA, Kanada oder Argentinien ausgewandert. Einer der Hauptgründe war die Abschaffung der Wehrdienstbefreiung für die Wolgadeutschen; siehe auch http://www.webbitt.com/volga/america.html. Auch sind, wie neuere Untersuchungen zeigen, viele Feuerstein aus dem Elsass und anderen südlichen Regionen Deutschlands vor allem nach Pennsylvania und anderen Staaten an der Ostküste der USA ausgewandert; einige haben sogar auf der Seite der Südstaaten an dem Bürgerkrieg von 1861-1865 teilgenommen).

Der siebente Landammann aus dem Fürsteingeschlecht ist Johann Feurstain von Ellenbogen (1673-1675). Er ist bei seiner Wahl bereits 61jährig, hält aber noch als Altlandammann 1678 eine Zeughausrevision ab. Sein Siegel ist die steigende Gams mit undeutlichem Gegenstand in den Vorderläufen. Helmzier: das Schildbild zwischen offenem Flug. Bei ihm findet sich die Namensänderung von Fürstain auf Feurstain. Er heiratet 1637 Barbara Gesensohn, hat einen Sohn Caspar, der ohne männliche Erben stirbt. In zweiter Ehe nimmt er die Witwe Elisabeth Feurstein, geb. Remin, zur Frau, die vorher mit Hans Feurstein aus der Tuchmannlinie vermählt war. Den Sohn aus dieser Ehe nimmt er dann als Stiefsohn an.

Bevor die Linie des Gabriel Feurstein, Hauptmann in den Vorlanden, ausführlicher behandelt wird, sollen noch die folgenden Landammänner aufgeführt werden:

Der achte Landammann, der seinem Stiefvater folgt, ist Johann Feurstein I. aus Bezau. Vielleicht ist es eine gewisse Rivalität zur Landschreiberlinie, daß er sich wie der Adel in Vorarlberg als ,,edelvester Herr von Feurstein" tituliert. Aber die Jugend ist mit dem Anspruch der älteren Generation nicht mehr einverstanden. Der Aufstand von 1706 fegt ihn hinweg. Auch der Versuch, seinen Sohn Konrad zur Wahl zu bringen, mißlingt. Er stirbt enttäuscht am 9. Juli 1724. Im Bezauer Museum ist noch ein Wirtshausschild, das ihm zuzuschreiben ist.

 

Der neunte Landammann ist Johann Jakob Feurstein aus Schwarzenberg, licenziat juris utriusque, der zwischen und nach seinem Vorgänger ab 1696 bis 1724 die oberste Landeswürde mehrfach innehat. Er wird 1675 als Sohn des Landschreibers Joh. Feurstein und der Anna Mäzlerin (Metzler) geboren. Die Mutter scheint die Schwester es Landammannes Joseph II. Metzler (von Andelberg) gewesen zu ein. Er heiratet aus einer Feldkirchener Ratsfamilie Martha Theresia Tschohlin. Mehrfach ist er in wichtigen diplomatischen Diensten im Ausland. Er protestiert ohne Furcht am kaiserlichen Hofe in Wien und Laxenburg gegen die bürokratischen Übergriffe auf die Rechte des freien Bregenzerwaldes. Tatsächlich erreicht er eine Reduzierung der ruckenden Schmalzablieferungen. (150 Zentner Sommerschmalz, 600 Zentner Winterschmalz.) Mit 49 Jahren wird er aus seiner segensreichen Tätigkeit gerissen.

 

Der zehnte und letzte Landammann der Feurstein ist Johann Konrad Feurstein II. aus Bezau (1726-1730). Er ist der Sohn des Landammannes Johann (Konrad) Feurstein und der Barbara Helbok und mit Theresia Jeger verheiratet. Den 2. Vornamen Konrad hat er sich wohl selbst beigelegt und nennt sich zum Unterschied von seinem Vater der ,junge Feurstein". Leider ist er charakterlich keine gute Erscheinung. Nach einem Mißerfolg mit einer versuchten Abzahlung von 400 Pfund Lehenssteuer verläßt er den Bregenzerwald und ist dann ab 1730 Pfalzfaktor im Allgäu und in fürsterzbischöflich augsburgischen Diensten. Er stirbt dann auch im Exil.

***

Im Bregenzerwald gibt es schon früh verschiedene Linien, die nach ihren Herkunftsorten benannt werden. Die im Wiener Adelsarchiv befindliche Stammtafel der Feuerstein von Feuersteinsberg darf von 1310 bis 1500 etwa als freie Phantasie zur Verherrlichung des Geschlechtes angesehen werden. Auch gibt es eine Ruine Feuersteinsberg, die auf einer Landkarte von 1727 bei Krumbach erscheint, überhaupt nicht.

Linien kommen aus Au, aus Schnepfau, aus Mellau, aus Bezau und Bizau, aus Andelsbuch, Egg und Schwarzenberg.

Die Militärlinie der Feuerstein geht auf Kaspar Feurstein II. zurück, der vom Erzherzog Ferdinand von Tirol am 19. April 1589 einen Wappenbrief erhielt. Seine zwei Söhne waren Jodok I., der 1592 an der Universität in Dillingen studierte, und Kaspar III., vermählt 1605 mit Christina Meusburger.

Auf Jodok I. folgte Johann Jakob, Zoller am Bäumle, gest. 1670. Ihm folgten Jodok II., auch Zoller am Bäumle, verh. 1638 mit Anna Boulange aus Luneville, und der bereits erwähnte Franz Ignatius, geb. 8. April 1633 in Bregenz. Dieser war verheiratet mit Anna Helene von Hummelberg, war Pfalzgraf, der sich dann von Feuerstein zu Hummelberg und Sulzhofen nannte. Ihm folgte als letzter sein Sohn Josef Martial, reichsgräfl. Oberamtmann, gest. 1726.

Kaspar III. erhielt zusammen mit seinem Bruder Jodok I. zu Prag von Kaiser Rudolph II. den bereits beschriebenen Wappenbrief vom 8. März 1605. Beide Brüder waren für die Reorganisation des Landschreiberwesens von Bedeutung. Der Sohn Kaspars III. war Gabriel Feuerstein, geb. in Bezau am 8. Juni 1607. Bereits mit 22 Jahren war er erzherzoglicher Hauptmann Leopolds V. von Tirol. Auf einer Glocke in Bezau ist er 1636 ebenfalls als Hauptmann der Erzherzogin Claudia eingezeichnet. Er kämpfte zuerst in Ungarn, dann gegen die Schweden und bei der Belagerung von Kempten. Er war ein Riese von Statur und hatte statt eines Hundes einen Wolf als Begleiter. Für den Hochaltar von Schopernau stiftete er einen mitgebrachten türkischen Teppich. Neben Gütern zu Bezau hatte er auch Besitz in Krumbach, wo er 1648 Stifter der dortigen Pfarre wurde. In der Urkunde des Bischofs Franz Johann zu Konstanz wird er ,,praenobilis et strenuus vir Deus Gabriel Feurstein capitaneus per interiorem sylvam Brigantinam" (der äußerst vornehme und strenge Mann Deus Gabriel Feurstein, Führer über den inneren Bregenzerwald) genannt.

Seine Kinder waren:

1) Leopold, heiratete in Au am 7. Januar 1670 Anna Seiler. Noch lebende Nachkommen.

2) Johannes, Erbe der Krumbacher Besitzungen, heiratete Maria Moosmann von der Blatten, gest. 3. Februar 1674 in Krumbach. Ihm ist der bekannte Gedenkstein dort  gewidmet.

3) Andreas, geb. 15. Juni 1637 (Geburtsort nicht vermerkt), gest.25. Juni 1708 zu Prag.

4) Chistina, heiratete am 11. Januar 1670 den berühmten Barockbaumeister Michael Thumb, gest. 19. Februar 1690.

Andreas folgte dem Vater im Kriegshandwerk, diente bei der Belagerung Wiens durch die Türken als Stuckjunker (1683), dann in Ungarn, nahm teil an der Schlacht von Zentha (1697), an der Schlacht zu Höchstadt (1704). Er war an den kriegerischen Ereignissen am Rhein ruhmvoll beteiligt und ältester Stuckhauptmann bei der 2. Belagerung von I,andau. Sein Einsatz hatte auf die Reichsgeschichte einen einmaligen Einfluß, denn er rettete durch seinen Opfertod dem späteren Kaiser Joseph 1. Leben. Verheiratet war er mit Rosina Elisabeth von Kreutzenstein. Seine vier Söhne waren:

Johann Wilhelm, geb. 1690, Stuckjunker, gest. 1708,

Anton Ferdinand, geb. 1691 zu Prag,

Andreas Leopold, geb. 1697 zu Prag,

Johann Jakob, geb. 1699 zu Prag, gest. 1714.

 

In der nächsten Generation folgen als Nachkommen von Andreas Leopold:

   Töchter:   Antonia Josefa, Maria Theresia und Johanna.

   Söhne:      Franz Xaver, geb. 27. April 1742 zu Waidhofen, gest. 1786 im Feldlazarett zu Chodorow, ledig.

                    Anton Franz Leopold, geb. 12. November 1746 zu Eisenstadt im Burgenland, gest. in Wien.

 

Die Söhne dieses Anton Franz Leopold waren:

1)  Franz Xaver Anton Ferdinand Maria, Graf von Feuerstein, geb.15. Januar 1784 zu Kaiser-Ebersdorf, jung verstorben.

2)  Anton von Padua Franz Ferdinand Maria, Graf von Feuerstein, geb. zu Kaiser-Ebersdorf am 28. Juni 1786, verheiratet mit Freiin Elisabeth

     von Stürmer (München), gest. zu Preßburg am 12. März 1858. Die militärischen Leistungen dieses Feuersteinzweiges verdienen eine besondere Würdigung.

 

A

 

Anton Ferdinand, geb. 15. Dezember 1691 zu Prag, begann während des spanischen Erbfolgekrieges seine Laufbahn in der Artillerie am Rhein. 1717-1718 diente er unter Eugen von Savoyen in der Schlacht von Peterwardein und bei Temeswar, bei der Erstürmung von Belgrad (16. August 1717) als Stuckhauptmann. 1732 wurde er Zeuglieutnant (Oberstlieutnant). Ab 1733 kämpfte er in Sizilien, dann im österreichischen Küstenland und Triest. Wir finden ihn in der Steiermark und in Krain, in Komorn, Ofen, Belgrad und Groß-Sigeth.

Kaiser Karl VI. beförderte ihn am 5. März 1738 zum Oberst. In den folgenden Jahren war er unermüdlich an der Sicherung der Reichsgrenze gegen den Osten beschäftigt.

In den Schlesischen Kriegen war Oberst Feuerstein in der Schlacht von Molwitz (l0. April 1741), dann bei der Belagerung von Prag.

Als Generalmajor war er am Sieg von Braunau (1743) und beim Rheinübergang nach dem Elsaß (1744) verdienstvoll beteiligt.

Er erzwang gegen den preußischen Oberst v. Wedell den Elbübergang, was den Rückzug der Preußen aus Böhmen nach Schlesien zur Folge hatte.

1745 wurde er Feldmarschall=Lieutnant.

1747 kommandierte er unter Herzog Cumberland die Artillerie in den Niederlanden.

Die Erfahrungen der Schlesischen Kriege zwangen zu einer großen Reform der ganzen Artillerie, an der Anton Ferdinand Feuerstein das größte Verdienst

zugesprochen werden muß. Kaiserin Maria Theresia erkannte die reichswichtige Arbeit des Feldmarschall=Lieutnants an durch die Erhebung zum General-Feldzeugmeister. Ihm und seinem Bruder Andreas Leopold wurde am 19. Januar 1757 der erbländische Freiherrenstand verliehen und überdies das Indigenat (Heimatrecht) im alten Herrenstande in Böhmen und Mähren zugestanden.

 

Ein Brief des Landammannes und Rates des hinteren Bregenzerwaldes bekundet, daß die Familie ,,Feuerstein jederzeit adelich, ritterlich, des Lands Patrity und zugleich Landammänner und auch Landschreiber gewesen". Sie haben sich ,,zu Haus und zu Feld recht wohl patriotisch distinguiert".. . (1757).

Bei der Erhebung in den Freiherrnstand wurde, nicht sehr sinnvoll, das Prädikat ,,von Feuersteinsberg" verliehen.

Der General-Feldzeugmeister ist noch in der Schlacht bei Lobositz d bei Prag (1756) zu finden, wo er verwundet wurde und dann 1759 den Ruhestand trat. Er kaufte bei Tabor in Böhmen die Herrschaft Nadeykau (1761), wo er unverheiratet im 89. Lebensjahr gestorben ist. Seine große Frömmigkeit und Liebe zu den Armen wurde gerühmt.

Eine Marmorbüste von ihm, die sein Neffe im Schloßgarten aufstellen ließ, wurde zu späteren Zeiten entfernt und ist jetzt bei Milevsco in einer Kirchennische aufgestellt.

 B

Ebenso bedeutend war auch die Leistung seines Bruders Andreas Leopold. Geboren am 15. November 1697, begann er seine Laufbahn,1717 in der Feldartillerie bei der Eroberung von Belgrad unter Prinz Eugen. 1731 war er Stuckhauptmann, bewährte sich in Oberitalien gegen die französisch-sardinische Armee, war an den Schlachten von Parma, Quistelle und Guastalla beteiligt. Er machte von Südtirol aus über die Sette Comuni einen damals aufsehenerregenden Marsch über das unwegsame Gebirge, um mit seinen Kanonieren nach Vicenza und Verona zu gelangen. Er war bei allen Feldzügen von 1741-1748 zu finden, in Böhmen, Bayern und am Rhein. 1746 besetzte er Genua.Als er bei Planian Friedrich II. dreimal zurücktrieb, wurde er auf dem Schlachtfelde zum Generalmajor befördert.

Ab 1759 Feldmarschall-Leutnant, trat Baron von Feuerstein in den Ruhestand und beschloß im Feuersteinschloß zu Nadeykau am 3. März 1774 seine Tage. Seine Gemahlin Maria Theresia, Tochter des K. K. Obersten Baron lgnetti und der Freiin von Andlau, scheint schon vor der Übersiedelung nach Nadeykau gestorben zu sein.

 

Er hatte mehrere Töchter (eine heiratete in die ungarische Familie Gyczy) und zwei Söhne:

 1). Franz Xaver Freiherr von Feuerstein. Er war Oberstleutnant im Leveneur'schen Chevauxlegersregiment und starb in Galizien 1786.

 2) Dessen jüngerer Bruder Anton Franz (geb. 1746 in Eisenstadt) wurde 1773 Hauptmann im 2. Artillerieregiment. Unter Beilegung des Majorscharakters

     ad honores wurde er bereits 1787 pensioniert, da er Universalerbe der Herrschaft Nadeykau geworden war und kränkelte. Nach seiner Beurteilungsliste war er ein guter Mathematiker, Festungsbauer und Zeichner. Er konnte fließend deutsch, lateinisch, französisch und böhmisch (tschechisch) und galt auch als guter Jurist.

 

Auf der Glocke der Nadeykauer Kirche ist er als supremus vigiliarum praefectus S.C.M. (der erste Präfekt der Wachen) in Erz eingeschrieben.

 

Seine Frau, Johanna Carolina Gräfin Sternberg, die er am 14. Dezember 1783 heiratete, starb hochbetagt in Wien 1855.

Ihre Söhne waren:

1) Franz Xaver, geb. 1784, jung verstorben.

2) Anton von Padua Franz Ferdinand Maria, 1786 geboren zu Kaisers-Ebersdorf bei Wien, widmete sich ebenfalls dem Waffendienste. 1820 Rittmeister

    im 3. Ulanenregiment, 1836 Oberst im Chevauxlegersregiment Kaiser Napoleon 1. Er erhielt das Ritterkreuz des päpstslichen Christus-Ordens und wurde Kommandant des Husarenregismentes Fürst Reuß Nr.7.

Er heiratete im Oktober 1840 die in Wien 1801 geborene Freiin M. Elisabeth, Tochter des K. K. Jnternuntius in Konstantinopel und späteren Staatsrates lgnaz Freiherr von Stürmer. Der Graf lebte nach dem Verkauf von Nadeykau in Kritzendorf bei Klosterneuburg, wo die Gräfin 1846 mit ihrer Tochter starb. Graf Anton Feuerstein verließ daraufhin Kritzendorf und zog nach Preßburg, wo er bis zu seinem Tode am 12. März 1858 lebte. Mit ihm erlosch die Militärlinie der Feuerstein.

(Über verschiedene Umwege über die Familie Sternberg kamen einige Bilder und Familienstücke an die Tiroler Freiherrn von Sternberg).

Kaiser Franz II. hat am 7. März 1793 den Freiherrn Anton Franz von Feuerstein in den erbländischen Grafenstand erhoben.

Die freiherrlichen und gräflichen Wappen unterscheiden sich im Wappeninhalte nicht, sondern nur in äußeren Zutaten. Beim freiherrlichen Wappen hat sich die kaiserliche Kanzlei bemüht, alle früheren Diplome sinngemäß zu einem Sammelwappen zusammenzuziehen.

Blasonierung:

Im quadrierten Schild 1. und 4. Feld:

in Gold auf grünem Dreiberg eine einwärts springende naturfarbene Gemse, einen schwarzen Feuerstahl von sich haltend,

im 2. und 3. Feld:

In Silber ein einwärts schreitender roter Löwe. (Siehe Tiroler Verzierungen.)

Das Herzschild ist senkrecht gespalten in Gold und Schwarz, hat in der Mitte einen Feuerstein, beseitet von zwei Feuereisen in gewechselter Tinktur, zwischen denen oben und unten eine dreiteilige Flamme herausfährt.

Auf dem Schilde die Freiherrnkrone, darüber drei offene gekrönte Turnierhelme, von denen der mittlere als Helmzier eine auflodernde Flamme trägt, der linke die einwärts gekehrte Gamsbüste (ohne Feuereisen) zwischen zwei goldenen Büffelhörnern, mit Flammen aus deren Rundlöchern. Der dritte Helm rechts zeigt einen gleichfalls einwärts gekehrten wachsenden roten Löwen, zwischen zwei von gold und schwarz quadrierten offenen Adlerflügeln. Helmdecken Mitte rot-gold, rechts schwarz-gold, links rot=silber.

Entsprechend dem Verfalle der Wappenkunde in dieser Zeit sind diese Wappenzeichnungen heraldisch ziemlich unbefriedigend. Richtigerweise hat R. Hämmerle in seiner Studie über die Feuerstein darauf hingewiesen, daß das angehängte Lamm, das in früheren Zeiten oftmals bei dem Wappen mit den gegeneinandergestellten Feuereisen auf Petschaften und Grabsteinen zu finden ist, auf einem Irrtum beruht.

Das Wappen auf dem Krumbacher Grabstein wurde nie von einem Landammann benutzt, ist in Vergessenheit geraten und erst im 19. Jahrhundert, zuletzt von Maria Elisabeth Feuerstein, verh. Elsensohn, wieder verwendet worden.

 

Es erschiene ungerecht, wollte man die Aufzählung der Taten der Militärlinie der Feuerstein beenden, ohne eines Nachfahren aus unserer Zeit zu gedenken, der den Namen Feuerstein in der Militärgeschichte noch einmal hochgehalten hat. Es ist dies der am 18. Januar 1885 in Bregenz geborene General der Gebirgstruppen Valentin Feuerstein, der jetzt in Innsbruck lebt. Er kam 1907 zu den Tiroler Kaiserjägern und während des 1. Weltkrieges zum Generalstab an die italienische Front. im österreichischen Bundesheer führte er eine Division, nach dem Anschluß an Deutschland übernahm er die Aufstellung der 2. Gebirgsdivision, führte sie nach Polen und unternahm mit ihr den berühmten Marsch von Drontheim nach Narvik. In Italien trug er im Monte-Cassinobecken die Hauptlast der Abwehr an der süditalienischen Front.

Es würde die Grenzen dieser geschichtlichen Zusammenfassung überschreiten, wollte man die Geschichte der Feurstein-Feuerstein im 19. und 20. Jahrhundert weiterführen. Dies muß eine Aufgabe der vielen Linien in Deutschland, in der Schweiz und im Elsaß sein.

Alle können ihre Abstammung aber auf die früheren Vorfahren zurückführen, auch wenn der genealogische Nachweis vielfach durch die Kriegsunruhen, hauptsächlich des Dreißigjährigen Krieges, nicht mehr möglich ist. Die Geschichtsforschung hat erwiesen, daß es außerhalb der Stammheimat Bregenzerwald keine andere Gegend gab, in der vor 1550 eine Familie gleichen Namens existiert hätte.

Wir freuen uns, daß jetzt noch ein Feuerstein als Präsident des Vorarlberger Landtages wirkt. Die meisten Nachfahren im Bregenzerwald leben noch in bäuerlichen Verhältnissen und haben sicherlich selten von der Geschichte ihrer Vorfahren gehört. Von ihnen mögen sie das Beispiel nehmen, daß die Feuerstein stets ein großzügiges, auch künstlerisch interessiertes Geschlecht gewesen sind, das Mut, große Heimattreue und unerschütterten christlichen Glauben bewiesen hat.

Die Nachkommen des Johann Feuerstein und der Katharina Moosbrugger zählen allein im Bregenzerwald zahlreiche Linien mit Hunderten von Nachfahren in und außerhalb Österreichs: Albrecht, Bechter, Zünd, Wirth, Meusburger, Metzler, Moosbrugger, Mayer, Schmid, Berchtold, Berlinger, Natter, Fetz, Fink, Greber, Elsensohn, Gasteiner-Feuerstein, Wüstner Troy.

 

 

 

                       

 

 

                                       

Weitere Feuerstein Wappen: